Das Tasties im Innsbrucker Kaufhaus Tyrol setzte schon früh auf Take-away. Mittlerweile entscheidet sich ein Großteil der Kundschaft für diese Option.

Text: Theresa Kirchmair

 

Take-away-Konzepte sind heute ein gängiger Bestandteil der Gastronomie, nicht zuletzt angefeuert von den Hindernissen der Pandemie. „Vor zwölf Jahren war das vom Konzept her noch nicht ganz einfach“, erinnert sich Dagmar Lukas an die Anfangsphase ihres im März 2010 eröffneten Tasties zurück. Damals kannte man in Innsbruck das Mitnehmen von Speisen eher vom Bäcker. Mitbewerber wie Vapiano oder myIndigo entstanden erst später.

Stationenbetrieb

Tasties war von Anfang an wie ein Foodcourt konzipiert. An unterschiedlichen Stationen können sich die Gäste Pizza, Burger, Pasta, Currys, Salate und Co. selbst abholen und dann entweder an den zentralen Tischen Platz nehmen oder das Kaufhaus verlassen. Frontcooking ist die Devise, alle Gerichte, bis auf die Currys, werden à la minute zubereitet. Auf der Karte landen nur Gerichte, die sich auch zum Mitnehmen eignen und gleichzeitig schnell vor Ort zubereitet werden können. Die Pasta beispielweise wird frisch produziert, was einerseits der Qualität zuträglich ist, andererseits eine kürzere Kochzeit garantiert. 

Mittagstisch

Durch seine zentrale Lage im Kaufhaus Tyrol und die kurzen Wartezeiten zieht das Restaurant vor allem Mittagsgäste an. Laut Lukas entsteht so eine bunte Mischung: von den Schulkindern bis zu den Pensionierten, von Touristen bis zu Bankbeamten finden sich alle an den Stationen. „Dadurch, dass wir Take-away schon so lange anbieten, ist das ein sehr gut gelerntes Konzept, auch bei unseren Stammkunden“, erklärt Lukas. In etwa drei Minuten nimmt die Zubereitung der Gerichte in Anspruch, ehe diese den Gästen überreicht werden.

Kontrollierte Bedingungen

Die verstärkte Präsenz von Lieferdiensten zeigte Lukas eine Stärke von persönlichem Take-away: „Wenn der Kunde die Speise selbst mitnimmt, gibt es wirklich alles. Wenn über einen Drittanbieter geliefert wird, müssen wir achtsamer sein, da geht nicht alles.“ Bei Take-away hat Tasties bis zur Übergabe an den Kunden die volle Kontrolle über die Qualität des Gerichtes, danach liegt es in der Verantwortung des Gastes. Ist ein Lieferdienst involviert, sei laut Lukas nicht garantiert, dass die gewünschte Qualität auch ankomme. Burger etwa schicke sie nicht gern auf Reisen – zu groß sei das Risiko, dass die Soßen bis zum Verzehr das Brot tränken und der Burger durch Rütteln beim Transport zerfällt. 

"Dadurch, dass wir Take-away
schon so lange anbieten,
ist das ein sehr gut gelerntes Konzept."
Dagmar Lukas, Betreiberin Tasties

Beliebte Option

Lukas verzeichnete in den letzten Jahren eine deutliche Steigerung beim Take-away-Anteil. Waren es zuvor 30 bis 40 Prozent, geht mit 60 Prozent heute der Großteil der Speisen zum Mitnehmen über die Theke. Über die Gründe kann sie nur spekulieren und vermutet, dass die Leute nun lieber im Freien, im Büro oder daheim essen, statt länger im Kaufhaus zu verweilen. „Auch, dass sich die Gewohnheiten verändert haben. Take-away ist mehr als Konzept gelernt, wir sind es gewohnt“, so die Betreiberin.

Fortschreitende Entwicklung

Bei Tasties gibt es drei Punkte, die Lukas auch rund ums Take-away optimieren und verändern möchte: neue Gerichte, Nachhaltigkeit und appbasierte Lösungen. Im ersten Bereich sucht man nach weiteren Speisen, die sich gut eignen würden – laut Lukas bemerkt man eine große Nachfrage nach reichhaltigen Salaten, Bowls stehen daher im Zentrum der Überlegungen.

Beim Thema Nachhaltigkeit hat sich laut Lukas in den letzten zehn Jahren viel getan, aber Verpackung sei nach wie vor ein großes Thema. In den Anfängen von Tasties sei Gewerbekunden viel Kunststoffmaterial angeboten worden, die Kartonlösungen waren spärlich und teuer. Inzwischen gäbe es gute Möglichkeiten, von der Verpackung aus Maisstärke über Take-away-Besteck aus Holz bis zum recycelten Plastikdeckel.

Lukas betont: „Aber Verpackung bleibt Verpackung. Es ist immer Müll.“ Zweimal startete man Pilotprojekte mit Salaten im Glas, beide Male mussten sie aufgrund mangelnder Nachfrage wieder aufgegeben werden. „Der Kunde hat viel mehr Macht, als er glaubt. Alles, was nachgefragt wird, wird auch produziert“, so Lukas. Auch über ein Pfand- oder Recupsystem denkt man nach, wieder wird die Nachfrage entscheiden.

Technologieoffen

Der dritte Bereich ist der Einsatz von Apps. Mit getsby, das sich als digitale Speisekarte und Kasse in einem präsentiert, hat man bereits eine Möglichkeit zum Vorabbestellen und -bezahlen gefunden. Seit einem halben Jahr ist Tasties mit der App verknüpft, deren überschaubarer Bekanntheitsgrad ließ die Nutzung langsam anlaufen. Der Trend sei jedoch positiv, so Lukas. Man sei stets offen für neue Apps, die die Kommunikation mit der Kundschaft erleichtern würden.

Das Tasties Erfolgsrezept

  • ausschließlich mitnahmegeeignete Speisen
  • kurze Wartezeiten durch Optimierung
  • Offenheit für Innovation

© Ilvy Rodler Photography, Franz Ost

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